Montag, 7. November 2016

Von "fuck off Schreibblockade" zum Moralisten

Seit Wochen schon habe ich nun schon eine Schreibblockade. So viele Gedanken rasen den ganzen Tag durch meinen Kopf, doch kann ich sie nicht richtig fassen oder sie irgendwie zu einem schlüssigen Text zusammensetzten. Erinnerungen an Erlebtes, Songtexte oder Gelesenem, welche mich normalerweise inspirieren, werden aktuell von den wild durcheinander rufenden Stimmen in meinem Kopf, zusammengesetzt aus Gedankenbruchstücken und einem Gefühlswirrwarr, übertönt. Meine Konzentration leidet darunter, was sich auch auf meine Motivation, etwas anzugehen auswirkt. Den ganzen Tag am Fenster sitzen und den wunderschönen farbigen Blättern beim Fallen zusehen, das wär was! Solange, bis es zu schneien beginnt und mich die Motivation wieder packt um nach draussen durch den neu gefallenen Schnee zu stapfen. Nur ich und das Knirschen des Schnees. Nicht dass es nicht auch schön wäre, im Herbstlaub ziellos rumzulaufen, doch der Schnee beruhigt mich, alles ist still und niemand ist draussen wenn’s dunkel wird. Herrlich.
 
Irgendwo habe ich mal ein Zitat gelesen, von dem ich nicht mehr weiss von wem es war oder wie genau es lautete: der Schnee begräbt die Sünden des Jahres der Menschheit unter sich. Irgendwie finde ich den Gedanken schön, auch wenn es leider nicht ganz so einfach geht. Da müsste wohl eine weitere Eiszeit kommen um all unsere „Sünden“ unter sich zu begraben. Egal wohin wir schauen, es herrscht Krieg, Hunger, Elend und die Natur wird vorsätzlich zerstört. Und warum? Weil wir zu gierig sind und unser Konsumverhalten ein grenzenloses Ausmass angenommen hat.
Gorillas werden zerhackt um sie den unterernährten und versklavten Mienenarbeitern als Bushmeat zu verkaufen, damit wir auch immer das neuste Smartphone oder Tablet haben oder wir einander tolle Diamanten an den Finger stecken können.
Orang-Utans, Elefanten und Tiger werden durch Buschfeuer aus ihrem Habitat verjagt oder geschlachtet, damit wir unsere Kinderschoggi und Kosmetika dank dem Palmöl möglichst billig bekommen.
Es herrschen Kriege nur um an gewisse Ressourcen zu kommen, die wir gar nicht in einem solchen Ausmass nötig hätten, würden wir nur etwas an unserem Konsumverhalten ändern, jeder für sich und doch für die Allgemeinheit.

Ja wir haben das Privileg, dass wir hier in der sogenannten Ersten Welt in jedem Laden alles bekommen, was wir gerade glauben zu benötigen. Nach einem schlechten Tag hurti in den nächsten Laden um ein Gadget für die Seele zu kaufen damit man sich wieder ein bitzeli besser fühlt. Ich höre so viele Menschen, sehe so viele Posts auf Facebook und lese so viele Berichte darüber, dass man doch lieber Produkte aus der Region kauft, möglichst auf bedenkliche Lebensmittel wie Soja oder Palmöl verzichtet und seine Materiellen Dinge so lange gebraucht, bis sie wirklich nicht mehr funktionieren. So viele Stimmen, die sich über das Leid dieser Welt beklagen und schreien, dass doch etwas ändern sollte. Wieso also ändert sich immer noch nichts? Was muss noch alles geschehen, damit wir endlich die Augen öffnen und begreifen, dass wir noch lange darüber diskutieren können, wen wir den nun wählen sollten, es aber überhaupt keinen Unterschied macht, da nicht die gewählten, sondern die Geldgeber dieser Welt die Welt regieren. Und je mehr wir konsumieren, umso mehr Macht geben wir ihnen. Unser Konsum legitimiert Krieg um Rohstoffe, das Zumüllen der Meere, die Verschlimmerung des künstlichen Treibhauseffektes – ich meine jetzt nicht nur das CO2, Phosphate, Nitrate und Methangase sind genau so übel –, ja ich könnte ganze Listen füllen.

Die Konsequenzen wollen wir aber nicht tragen, oder sehen. Nein wir spenden dann lieber gegen Weihnachten wieder etwas Geld für humanitäre Zwecke um unser Gewissen zu beruhigen und dann die Einkaufstüten wieder mit einem Haufen aus Rohöl, Coltan oder sonstigen raren Ressourcen bestehenden Gadgets zu füllen. Die Spenden werden dann noch zu einem grossen Teil nur für Werbung der Organisationen verwendet und landen gar nie dort wo sie hin sollten. Die meisten von uns wissen das sogar und machen es trotzdem. – Ich möchte hier aber noch anmerken, dass es auch sehr gute NGOs gibt, man muss sich halt einfach die Zeit dafür nehmen, sich zu informieren und zu schauen, wo das Geld wirklich hin geht. Hier in der Schweiz zum Beispiel gibt es sicher immer wieder Bekannte von Bekannten, die irgendwo sogar direkt im Land sind und man somit genau weiss wohin das Geld geht –.

Ja auch ich habe manchmal das Bedürfnis einfach nur etwas für mich zu kaufen, einfach nur weil es mir gefällt. Vor ein paar Jahren war ich beinahe süchtig danach, mir immer wieder etwas zu bestellen, sobald mir irgendeine Laus über die Leber gelaufen ist, doch heute überlege ich sehr lange bevor ich mir dann wirklich etwas kaufe.
Wer zum Teufel braucht denn schon wässerige Erdbeeren aus Spanien und das im Februar – mein Lieblingsbeispiel – verdammt noch mal!

Es gibt so viele Dokumentationen zu sehen, so viele Artikel zu lesen die uns sagen, was wir nicht alles besser machen könnten. Ja auch ich schlage nun etwas vor: wie wär’s denn damit, etwas weniger zu konsumieren, denn mit Freunden etwas zu unternehmen gibt einem auch viel mehr als ein neues Tablet oder Smartphone. Freunde lachen und weinen mit einem, dein zum Bersten voller Kleiderschrank nicht. Okay ich gebe zu, Schokolade macht auch glücklich, aber auch da kann man auf die Label schauen. Man zahlt vielleicht etwas mehr, aber was soll’s. Wenn jeder einzelne von uns sich vielleicht einmal mehr Gedanken dazu machen würde, ob man das begehrte Stück denn auch wirklich braucht, oder es nach einigen Wochen nur auf dem Estrich landet, könnte sich die Welt schon ein kleines Stück ändern, nur ein kleines Stück aber hey immerhin.

Wir besitzen alle die Macht, etwas zu ändern. Ein Afrikanisches Sprichwort besagt: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun,können sie das Gesicht der Welt verändern.“ In meinen Augen ist es höchste Zeit, damit zu beginnen.

May the force be with you....

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