Montag, 5. Dezember 2016

Musik und Magie


Heute war ich bereits in Gstaad, Berlin, Dublin und Vancouver. Natürlich nur in meinen Gedanken, meiner Erinnerung. Den MP3-Player auf Shuffle eingestellt werde ich nun schon den ganzen Tag lang von meiner Musik berieselt, welche mich durch die Zeit und an andere Orte spickt.

Schon als Kind liebte ich das Radio. Egal ob in der Küche, im Bade- oder im Schlafzimmer, überall wurde sofort nach dem Eintreten das Radio eingeschaltet. Das Highlight waren jeweils die Performances in der Küche, wo ein Oregano-Gewürzfläschchen dann auch mal zum Mikrofon umfunktioniert wurde. Ach das waren noch Zeiten. Noch heute werde ich sofort auf die Schulreise in der dritten Klasse versetzte sobald ich entweder „alles aus Liebe“ von den Hosen oder „who the fuck is Alice“ von Smokie höre. Die beiden Songs wurden von unsere Klasse damals lautstark am Thunersee entlang gesungen. Bei "Lords of the Boards" bin ich sofort wieder in unserem Keller an einer Schülerparty und Hüpfe wild über die Tanzfläche. Und bei "don't speak" bin ich mit Erika in Brienz.

Schon früh war ich das erste Mal mit den Eltern meiner besten zwei Schulfreunde auf dem Gurten und bei Fanta Vier an der vordersten Front mit dabei. Auch Playbackshows waren immer eine Freude, ob für eine Geldsammlung für ein Lager oder einfach nur so, weil wir es halt konnten, sie waren jeweils Zahlreich. Ja ich war sogar einmal Manager der Spicegirls und übernahm danach nach Ausstieg der ersten Sporty Spice deren Rolle, während dem ich am selben Anlass auch noch Alanis Morissette verkörperte. Es waren so viele Playbackshows, dass ich mich beinahe nicht mehr an alle erinnern kann.

Da mein Vater immer der Meinung war, dass ich, wenn ich schon lautstark mitsingen musste, auch die Texte verstehen sollte, habe ich früh begonnen, die Lyrics meiner Favoriten zu übersetzten. Manchmal fand man ja auch einen der Songs im Bravo bereits übersetzt, was mir jeweils sehr viel Arbeit ersparte. Ja ich habe das Bravo tatsächlich wegen den jeweils zwei übersetzten Songtexten gekauft und nicht wegen dem Dr. Sommer-Team, auch wenn das vielleicht schwer zu glauben ist, muahahaha.

Schon bald war ich alt genug, um im Alpina in Burgdorf oder in der Kupferschmitte in Langnau am Wochenende kleine Konzerte zu besuchen. Da durfte ich auch mal länger aus bleiben, da meine Eltern fanden, das sei wesentlich sinnvoller als irgendwo in einer Kneipe rumzuhängen. So war ich also öfter irgendwo in einem kleinen Konzertlokal und pogte mich durch die Wochenenden. Von Punkrock über Ska über Hiphop – ja Wurzel 5 spielte damals an fast jeder Hunzverlocheten – ich liebte es vor der Bühne zu stehen und mich der Musik ganz zu ergeben. Noch immer gehe ich regelmässig an Konzerte und Openairs, bevorzuge aber ehrlich gesagt die kleinen Konzertchen nach wie vor. Unbekannte Bands mit haufenweise Talent – meistens jedenfalls – die mich in eine andere Welt befördern. Gerade dieses Wochenende war in Thun eine Menge los. 17 Konzerte an 17 Lokalitäten und die Stadt platze aus allen Nähten. Alt und Jung trafen sich um der Musik zu frönen und ich war begeistert von der Begeisterung die herrschte. Solche kleinen Konzerte gibt es leider nicht mehr allzu oft und manchmal frage ich mich, was denn die 16-jährigen heute machen. Irgendwo rumhängen oder an U18 Partys gehen? Die würden bestimmt auch öfters günstige Konzerte besuchen.

Wir hatten zu Hause öfters Untermieter aus dem Gymer oder dem Tech und die Musiker waren mir immer die Liebsten. Egal ob Gitarre, Bratsche oder sonst etwas, ich schlief immer am besten wenn sie noch am üben waren, denn bei guter Musik kann ich loslassen und meine Gedanken driften in meine Fantasiewelt. Auch an Konzerten ist es so. Ich blende das ganze Publikum aus und bin mit meinen Gedanken an einen völlig anderen Ort, sei es im Bett während dem der Sänger in meiner Fantasie mit seiner akustischen Gitarre auf der Bettkante sitzt und mir mit seiner unglaublichen Stimme ein Ständchen hält, irgendwo auf dem Snowboard in Whistler oder in einem Wald. Egal wo einfach weg, von den Schallwellen der Musik weggetrieben.

Musik ist das schönste auf der Welt, finde ich. Ein Song kann meine Stimmung von einer Sekunde auf die andere ändern und jede Stimmung hat seine Songs. Wenn mich jemand fragt, was für Musik ich gerne höre muss ich sagen, eigentlich praktisch alles, sofern es gerade passt. Es gibt Songs, die lösen sogar Schmetterlinge im Bauch aus, während dem andere mir die Tränen in die Augen treiben oder mich wütend machen. Alles verknüpft mit Erinnerungen oder neuen Emotionen. Ich wüsste nicht, wie ich ohne Musik leben könnte und danke an dieser Stelle gerne allen Musikern, macht bitte weiter so!

Auch wenn die Musik nicht mehr spielt, so klingt die Melodie nach.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen