Freitag, 23. Dezember 2016

Sex sells oder „zieh Dir ein gutes Gefühl an“


Ist das nur Einbildung, oder sieht man im TV noch mehr nackte Haut als bisher? Mich dünkt‘s, dass uns mittlerweile sogar jede zweite Werbung mit unserer Sexualität konfrontiert – was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist, da es in der heutigen Zeit kein Tabuthema mehr sein sollte – aber echt jetzt? Ich sehe eine Werbung für einen Kleiderversand, wo die Dame damit wirbt, dass sie dank der tollen neuen Unterwäsche mehr Selbstvertrauen hat um sich auf ein Abenteuer einzulassen. Toll neue Unterwäsche und damit kannst du dann reihenweise Männer abschleppen? Dann noch jede dritte Werbung für irgendeinen Sextoy-Onlineshop. Ich meine über die Sexualität zu reden finde ich persönlich sogar wichtig aber muss es sich denn in jeder verfluchten Werbung darum drehen, ausser natürlich bei den Safer-Sex-Werbungen wo sich die Leute über ein schwules Pärchen aufregen oder von der klaren Aussage von „brennt‘s im Schritt“ angeekelt fühlen.
 
Dass wir meiner Meinung nach ein immer gestörteres Verhältnis zu Sex haben erstaunt mich bei so vielen medialen Einflüssen nicht mehr. Immer wieder blitzten auf Facebook superschlaue Berichte auf mit Titeln von: „so kriegst du ihn garantiert rum“ über: „was Frauen im Bett wirklich wollen“ bis hin zu: „die 10 besten Stellungen für unglaublichen Sex“. Auf Plakaten, auf den Bildschirmen, in Musikvideos, überall werden wir mit Sex konfrontiert, wohin wir auch schauen, Sex ist immer präsent.
 
Es gibt ja mittlerweile auch genug Apps, die dazu dienen, möglichst schnell jemanden kennenzulernen, mit dem man Spass in der Horizontalen haben kann, für die auch regelmässig Werbung zu sehen ist. Ich habe sogar schon von Apps und Webseiten gelesen, die nur für Fremdgeher sind, extra diskret... Wirklich? Das finde ich irgendwie echt verstörend. Ja ok es kann vorkommen, dass man sich gegenseitig in einer Beziehung nicht mehr befriedigen kann, doch sollte man hierfür nicht gemeinsam eine Lösung finden. Es kann ja auch sein, dass sonst was nicht stimmt und es vielleicht besser wäre sich zu trennen, anstatt sich zu belügen und zu betrügen.
 
Es ist ja auch die schönste Nebensache der Welt, doch benötigt es hierzu nicht ein bisschen mehr, als einen tollen neuen BH und einen One-Night-Stand? Egal wo ich bin, höre ich immer wieder dieselben Aussagen, die Implizieren, dass das einzige Ziel eines Wochenendes darin besteht, sich zu betrinken und eine oder einen Abzuschleppen, wobei ich zugeben muss, dass ich diese Aussagen öfters vom „starken“ Geschlecht vernommen habe. Ich habe mich schon öfters dabei ertappt, dass ich nur noch frage ob man den Erfolgreich gewesen ist und natürlich darauf anspiele ob man jemanden abgeschleppt hat, nicht ob man jemand interessanten kennengelernt hat. Nicht dass ich eine andere Frage erhalte, nach dem Wochenende…
 
Dieses Phänomen verlinke ich aber auch mit dem ständigen Alkoholkonsum am Wochenende, ohne kommen wir wohl gar nicht mehr klar. Arbeiten von früh bis spät fünf Tage die Woche, da will man ja auch mal etwas abschalten. Wie schon in einem früheren Text erwähnt, glaube ich nicht daran, dass man besoffen wirklich jemanden kennenlernen kann, der einem vielleicht länger erhalten bleibt als nur eine wilde Nacht, dank dem neuen BH – diese Werbung macht mich echt rasend. Bei Alkohol hab ich doch gleich eine Idee, man könnte ein trinkspiel daraus machen und bei jeder Werbung, bei der es um Sex geht einen kippen, das wär doch was.
 
Doch liegt es nur an den Partys, dass das Hauptziel darin besteht nicht alleine nach Hause gehen zu müssen? Oder liegt es daran, dass wir zu gestresst sind, zu viel um die Ohren haben um uns mehr als nur das vorstellen zu können? Ich kenne durchaus auch Menschen, die gerne jemanden mal besser kennenlernen würden, dann aber nach dem ersten Mal Judihui nicht mehr interessant sind für das Gegenüber. Man hat ja bekommen was man wollte – neeeeext.
 
Wieder ist Werbung im TV und zwei wunderschöne Menschen küssen sich innig und es wird einem richtig heiss, während dem der Typ ihr erklärt, dass er halt ein Wilder sei und sein Leben lebe und tue was er wolle aber hei er liebt sie trotzdem für immer – vielleicht ja auch nur bis zu nächsten Werbung.
 
Ja Sex sells, sogar wenn es um meine Posts geht, denn laut meiner Blog-Statistik wurde der Artikel, in dem das Wort Sex schon im Titel vorkam mehr als dreimal so viel angeklickt wie alle anderen. Ob es bei diesem auch wieder so sein wird?

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