Frauen und Männer sind ja grundsätzlich sehr verschieden. In
letzter Zeit hatte ich mit einigen Freunden häufig über geschlechterspezifische
Memes gelacht und meistens dem Inhalt zugestimmt.
Ja wir Frauen sind
merkwürdige Wesen, die viel zu viel denken und interpretieren und subtiles
Verhalten an den Tag legen. Aus Gesprächen mit Freunden ging hervor, dass dies
bei den Männern allgemein bekannt ist. Da kommen wir auch gleich zu meiner
Leitfrage: Wenn es den Männern bekannt ist, dass wir jedes Wort auf die
Goldwaage legen und in jede Nachricht jede mögliche oder auch unmögliche Situation
herausinterpretieren, ja jedes Verhalten zu deuten versuchen, wiesooooo nur
drücken sie sich dann häufig nicht klar aus –in unseren Augen natürlich –,
verweigern sogar die Kommunikation oder senden klar widersprüchliche Signale?
Das schlimmste ist ja in meinen Augen die Textnachricht –
die in unserer Generation das wohl beliebteste Mittel der Kommunikation ist –,
denn da wir nur Worte lesen und keine Emotionen oder stimmliche Facetten hören
oder sehen, lässt dies dem Leser äusserst viel Interpretationsspielraum. Paul
Watzlawick hätte seine wahre Freude daran, sein Kommunikationsmodell bei
unserer Generation anzuwenden. Regelmässig beobachte ich in meinem
Freundeskreis immer wieder komplett verwirrtes Verhalten, da zwei Menschen
völlig aneinander vorbei simslen, besonders eben, wenn Frau und Mann
kommunizieren.
Lange Zeit dachte ich, dass ich männliche Kommunikation
eigentlich gut nachvollziehen kann, da ich mehr männliche Freunde habe als
weibliche und mit Jungs aufgewachsen bin. Männer beziehen sich häufiger auf die
Sach- und weniger auf Beziehungsebene, zumindest dachte ich das. Sie sagen, was
sie denken, klären die Dinge knallhart und vermeiden es, unnötige, sich im
Kreis drehende Konversationen zu führen., zumindest dachte ich das. Was aber, wenn das starke Geschlecht
sich zu einer Sache beziehungsweise einer Situation äussert, A sagt, aber sein
Verhalten dann etwas anderes impliziert? Ihr wisst haargenau was passiert: wir
Frauen drehen komplett durch! Stundenlanges mit Freundinnen darüber schreiben,
was das jetzt wieder sollte sowie Printscreens der Nachrichten weiterleiten um
dann die Nachrichten zusammen zu interpretieren. Da steht „Hallo“, aber was
könnte das nicht alles heissen. Ja wir Frauen können aus einem einzigen Wort in
einer Textnachricht, ja sogar aus dem Fehlen einer Antwort, einen ganzen Dialog
rauslesen, was für ein Talent! Ja auch ich mache das regelmässig, obwohl ich
mich eigentlich gerne als rationalen Menschen bezeichne, dafür kann ich in
solchen Situationen dann doppelt irrational sein, so ist alles wieder im
Gleichgewicht. Männer machen das wohl nicht, oder es hat sich noch keiner
meiner Freunde offen dazu bekannt.
Ja wir Frauen unterhalten uns im Allgemeinen sehr gerne über
Unterhaltungen mit Männern und lachen über plumpe Äusserungen, Fragen uns
gemeinsam was für eine Geschichte man in die Aussage „ja vou“ packen könnte und
drängen sogar unsere männlichen Freunde dazu, uns Rat zu geben und um
nachzuvollziehen, ob nur sie das genauso sehen oder ob irgendwo in der
Nachricht noch ein geheimer Männercode versteckt ist. Der weiblichen
Kreativität sind in solchen Fällen keine Grenzen gesetzt. Ja wir werden auch
gerne wütend über Sätze wie „sorry cha grad net, bi am schaffe“, weil, hmm
nunja, weil wir Frauen sind und das dürfen! Schliesslech! Ja liebe Männer ihr
wisst wie es um unsere Logik steht wenn wir euch mögen oder sonst wie was am
Laufen haben. Wir brauchen unsere regelmässigen Aufmerksamkeit sonst werden wir
wütend und es wird uns bald zu blöd. Es ist wie mit dem Hunger, bekommen wir
nicht regelmässig etwas zu essen, werden wir auch ungeniessbar. Also brauchen
wir Worte aus Schoggi sozusagen, eine Schachtel Pralinen, viel Abwechslung und
klebrig süss. Oder auch nur Schoggi, die hilft auch ohne Worte immer!
Ich habe mittlerweile bei den Jungs mal etwas nachgehakt, ob
denn sie auch Kurznachrichten analysieren und sich untereinander darüber
austauschen oder ob das eine reine Frauenkrankheit ist. Nun die Antwort darauf
war recht simpel. Männer – oder zumindest die die ich befragt habe –
interpretieren nur bedingt und häufig wird es ihnen zu anstrengend, wenn wir
Frauen uns etwas kryptisch ausdrücken, was dann auch dazu führt, dass sie dann
einfach nicht zurückschreiben, weil sie nicht verstehen, was genau jetzt
eigentlich der Inhalt der Nachricht war. Dies wiederum führt ja dazu, dass wir
verunsichert sind, denn er schreibt ja nicht und dann aus Prinzip herausfinden:
„i schribe itz halt o net, wöu er schribt ja o net“. Et voilà Schluss und aus
ist es... Über Frauen unterhalten sich Männer untereinander meist auch nur
oberflächlich und diskutieren nicht stundenlang darüber wie wir Frauen – oder zumindest
die nicht, die ich befragt habe -.
Die bei weitem beste Antwort, die ich erhalten habe war,
dass er einfach nachfragt, wenn er nicht weiss, was gemeint ist. Ist das nicht
eine simple Lösung! Wieso fragen wir nicht einfach? Wieso legen wir nicht
einfach mal das Handy zur Seite, stellen uns voreinander auf und reden. Es ist
so angenehm sich hinter einer Textnachricht zu verstecken, denn man hat nicht
eine direkte Reaktion, die kommt erst verzögert und irgendwie kann man sich ja
dann immer noch herausreden, wenn das Ergebnis nicht das war, was man wollte. Ich
denke, dass es in der Zeit der Handys grundsätzlich schwierig ist, jemanden
kennenzulernen oder normal zu kommunizieren, denn man lebt so sehr in dieser
Isolationswelt der Selbstdarstellung, der Selfies und WhatsApp, das es nicht
mehr zu einer zufälligen Begegnung und einem spontanen vor der Tür stehen und
klingeln kommt. Man schreibt sich tagtäglich Nachrichten und wenn man sich dann
einmal trifft, hat man sich nichts mehr zu sagen, da ja alles schon getextet
wurde.
Eine Generation von verwirrten Köpfen im Dauerstress der Erreichbarkeit, zusammen
allein. Vielleicht wäre es sinnvoll, das Handy wegzulegen, sich zu
unterhalten, einen Brief zu schreiben oder ein Lied vorzusingen– sofern man
nicht klingt wie eine Nebelkrähe mit Chiischteri –. Wir Frauen und Männer
ticken nämlich nicht so verschieden wie wir das häufig denken, stellen uns aber
selber Barrieren vor die Nase. Kommunikationsbarrieren. Ich für meinen Teil,
versuche mich zu bessern und nicht immer alles interpretieren zu wollen,
sondern die Situation so nehmen wie sie sich ergibt und halt lieber einmal mehr
persönlich fragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Wie lange dies klappt, ist
eine andere Geschichte; wahrscheinlich bis zur nächsten knappen Textnachricht
bahahaha.
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