Donnerstag, 20. Oktober 2016

Frauenwahnsinn durch Textnachrichten

Frauen und Männer sind ja grundsätzlich sehr verschieden. In letzter Zeit hatte ich mit einigen Freunden häufig über geschlechterspezifische Memes gelacht und meistens dem Inhalt zugestimmt.

Ja wir Frauen sind merkwürdige Wesen, die viel zu viel denken und interpretieren und subtiles Verhalten an den Tag legen. Aus Gesprächen mit Freunden ging hervor, dass dies bei den Männern allgemein bekannt ist. Da kommen wir auch gleich zu meiner Leitfrage: Wenn es den Männern bekannt ist, dass wir jedes Wort auf die Goldwaage legen und in jede Nachricht jede mögliche oder auch unmögliche Situation herausinterpretieren, ja jedes Verhalten zu deuten versuchen, wiesooooo nur drücken sie sich dann häufig nicht klar aus –in unseren Augen natürlich –, verweigern sogar die Kommunikation oder senden klar widersprüchliche Signale?
 
Das schlimmste ist ja in meinen Augen die Textnachricht – die in unserer Generation das wohl beliebteste Mittel der Kommunikation ist –, denn da wir nur Worte lesen und keine Emotionen oder stimmliche Facetten hören oder sehen, lässt dies dem Leser äusserst viel Interpretationsspielraum. Paul Watzlawick hätte seine wahre Freude daran, sein Kommunikationsmodell bei unserer Generation anzuwenden. Regelmässig beobachte ich in meinem Freundeskreis immer wieder komplett verwirrtes Verhalten, da zwei Menschen völlig aneinander vorbei simslen, besonders eben, wenn Frau und Mann kommunizieren.
 
Lange Zeit dachte ich, dass ich männliche Kommunikation eigentlich gut nachvollziehen kann, da ich mehr männliche Freunde habe als weibliche und mit Jungs aufgewachsen bin. Männer beziehen sich häufiger auf die Sach- und weniger auf Beziehungsebene, zumindest dachte ich das. Sie sagen, was sie denken, klären die Dinge knallhart und vermeiden es, unnötige, sich im Kreis drehende Konversationen zu führen., zumindest dachte ich das. Was aber, wenn das starke Geschlecht sich zu einer Sache beziehungsweise einer Situation äussert, A sagt, aber sein Verhalten dann etwas anderes impliziert? Ihr wisst haargenau was passiert: wir Frauen drehen komplett durch! Stundenlanges mit Freundinnen darüber schreiben, was das jetzt wieder sollte sowie Printscreens der Nachrichten weiterleiten um dann die Nachrichten zusammen zu interpretieren. Da steht „Hallo“, aber was könnte das nicht alles heissen. Ja wir Frauen können aus einem einzigen Wort in einer Textnachricht, ja sogar aus dem Fehlen einer Antwort, einen ganzen Dialog rauslesen, was für ein Talent! Ja auch ich mache das regelmässig, obwohl ich mich eigentlich gerne als rationalen Menschen bezeichne, dafür kann ich in solchen Situationen dann doppelt irrational sein, so ist alles wieder im Gleichgewicht. Männer machen das wohl nicht, oder es hat sich noch keiner meiner Freunde offen dazu bekannt.
 
Ja wir Frauen unterhalten uns im Allgemeinen sehr gerne über Unterhaltungen mit Männern und lachen über plumpe Äusserungen, Fragen uns gemeinsam was für eine Geschichte man in die Aussage „ja vou“ packen könnte und drängen sogar unsere männlichen Freunde dazu, uns Rat zu geben und um nachzuvollziehen, ob nur sie das genauso sehen oder ob irgendwo in der Nachricht noch ein geheimer Männercode versteckt ist. Der weiblichen Kreativität sind in solchen Fällen keine Grenzen gesetzt. Ja wir werden auch gerne wütend über Sätze wie „sorry cha grad net, bi am schaffe“, weil, hmm nunja, weil wir Frauen sind und das dürfen! Schliesslech! Ja liebe Männer ihr wisst wie es um unsere Logik steht wenn wir euch mögen oder sonst wie was am Laufen haben. Wir brauchen unsere regelmässigen Aufmerksamkeit sonst werden wir wütend und es wird uns bald zu blöd. Es ist wie mit dem Hunger, bekommen wir nicht regelmässig etwas zu essen, werden wir auch ungeniessbar. Also brauchen wir Worte aus Schoggi sozusagen, eine Schachtel Pralinen, viel Abwechslung und klebrig süss. Oder auch nur Schoggi, die hilft auch ohne Worte immer!
 
Ich habe mittlerweile bei den Jungs mal etwas nachgehakt, ob denn sie auch Kurznachrichten analysieren und sich untereinander darüber austauschen oder ob das eine reine Frauenkrankheit ist. Nun die Antwort darauf war recht simpel. Männer – oder zumindest die die ich befragt habe – interpretieren nur bedingt und häufig wird es ihnen zu anstrengend, wenn wir Frauen uns etwas kryptisch ausdrücken, was dann auch dazu führt, dass sie dann einfach nicht zurückschreiben, weil sie nicht verstehen, was genau jetzt eigentlich der Inhalt der Nachricht war. Dies wiederum führt ja dazu, dass wir verunsichert sind, denn er schreibt ja nicht und dann aus Prinzip herausfinden: „i schribe itz halt o net, wöu er schribt ja o net“. Et voilà Schluss und aus ist es... Über Frauen unterhalten sich Männer untereinander meist auch nur oberflächlich und diskutieren nicht stundenlang darüber wie wir Frauen – oder zumindest die nicht, die ich befragt habe -.
Die bei weitem beste Antwort, die ich erhalten habe war, dass er einfach nachfragt, wenn er nicht weiss, was gemeint ist. Ist das nicht eine simple Lösung! Wieso fragen wir nicht einfach? Wieso legen wir nicht einfach mal das Handy zur Seite, stellen uns voreinander auf und reden. Es ist so angenehm sich hinter einer Textnachricht zu verstecken, denn man hat nicht eine direkte Reaktion, die kommt erst verzögert und irgendwie kann man sich ja dann immer noch herausreden, wenn das Ergebnis nicht das war, was man wollte. Ich denke, dass es in der Zeit der Handys grundsätzlich schwierig ist, jemanden kennenzulernen oder normal zu kommunizieren, denn man lebt so sehr in dieser Isolationswelt der Selbstdarstellung, der Selfies und WhatsApp, das es nicht mehr zu einer zufälligen Begegnung und einem spontanen vor der Tür stehen und klingeln kommt. Man schreibt sich tagtäglich Nachrichten und wenn man sich dann einmal trifft, hat man sich nichts mehr zu sagen, da ja alles schon getextet wurde.

Eine Generation von verwirrten Köpfen im Dauerstress der Erreichbarkeit, zusammen allein. Vielleicht wäre es sinnvoll, das Handy wegzulegen, sich zu unterhalten, einen Brief zu schreiben oder ein Lied vorzusingen– sofern man nicht klingt wie eine Nebelkrähe mit Chiischteri –. Wir Frauen und Männer ticken nämlich nicht so verschieden wie wir das häufig denken, stellen uns aber selber Barrieren vor die Nase. Kommunikationsbarrieren. Ich für meinen Teil, versuche mich zu bessern und nicht immer alles interpretieren zu wollen, sondern die Situation so nehmen wie sie sich ergibt und halt lieber einmal mehr persönlich fragen, wenn ich etwas nicht verstehe. Wie lange dies klappt, ist eine andere Geschichte; wahrscheinlich bis zur nächsten knappen Textnachricht bahahaha.

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