Donnerstag, 6. Oktober 2016

Von Bier, Sex und warum nie mehr sein wird...


In letzter Zeit habe ich das Gefühl, immer wieder dieselbe Unterhaltung zu hören. Sei es im Zug im Abteil nebenan oder in der Diskussion mit Freunden, alle, egal ob Männlein oder Weiblein, scheinen ein ähnliches Problem zu haben. Man lernt jemanden kennen, unternimmt zwischendurch etwas zusammen und am Ende klappt’s dann trotzdem nicht aber niemand weiss was schief gelaufen ist.

Vielleicht liegt das Problem schon beim Kennenlernen selbst. Aus Songs, Filmen und Serien hat man die Vorstellung, dass man einfach in jemanden reinläuft, sich die Blicke treffen und ein Feuerwerk explodiert, dies entspricht jedoch sehr selten der Realität. Sich begegnen und kennenlernen kann man sich ja eigentlich überall, ich beschränke mich jedoch auf die zwei am meisten erwähnten Situationen.

Man ist mit seinen Freunden unterwegs und sieht von weitem jemanden der gefällt – üüü läck dä isch no guet… - und weil man den Mut nicht hat ihn direkt anzusprechen, bestellt man doch dann lieber noch ein Bierchen für die Nerven. Irgendwann denkt man sich dann: „so itz aber!“, geht hin und fängt mit einer belanglosen Floskel ein Gespräch an. Man ist sich sympathisch und tauscht vielleicht die Telefonnummern aus – ja wenns gut läuft sogar etwas Speichel beim verabschieden – und schreibt sich dann während ein, zwei Wochen den Daumen lahm. Es ist neu und spannend doch nach einiger Zeit gehen einem die Themen aus. Hm worüber könnte man noch schreiben, wenn der Smalltalk langsam zu langweilig wird. Und für ein Treffen waren immer noch beide zu beschäftigt – oder zu ängstlich? Man trifft sich dann endlich doch noch – am liebsten an einem öffentlichen Ort, denn ein Spaziergang im Wald könnte ja in einem Kettensägen-Massaker enden - und weil man dann doch ganz aufgeregt ist, brabbelt man während des ganzen „Dates“ nur belanglosen Stuss. Vielleicht folgen noch einige Dates, doch früher oder später landet man in der Horizontalen und vernuschet das Bett regelmässig zusammen.

Das wäre die etwas langsamere Vorgehensweise. Häufiger erwähnt wurde aber die Situation, dass man mit seinen Freunden unterwegs ist, und sich den Mut mit diversen Bieren und je nach dem noch einigen Shots antrinkt, das Gegenüber genauso blau ist wie Papa Schlumpf und man sich nach einem fünfminütigen Gelalle, bei dem sich beide wegen der zu lauten Musik sowieso nicht verstehen, schon heftigst die Zunge in den Hals steckt. Nach der letzten Runde torkelt man eng umschlungen und sich betatschend aus dem Lokal raus und es folgt die ultimativ abgedroschen Frage: „…ssuu mir - hicks - oder ssuu dir?“, was  keine gute Grundvoraussetzung für eine romantische Beziehung sein kann, oder?
Am nächsten Morgen folgt dann ein peinliches Kleidersuchen mit übelsten Kopfschmerzen. Die Anziehung ist im Besten Fall nach wie vor da und man beginnt damit, sich regelmässig zu schreiben und zägg, auch hier landet man regelmässig wieder zusammen in der Kiste.
Aber was nun? Wie lässt sich das definieren? Friends with benefits? Oder ist da doch mehr? Mittel zum Zweck? So viele Fragen und so wenig Antworten. Man getraut sich nicht, diese Fragen anzustellen, da wir ja eine Generation der Beziehungsunfähigkeit sind – abgestempelt durch psychologische Studien und Medienbeiträge -.
Man geht raus um jemanden zu finden, will sich jedoch nicht einschränken und von jedem Baum ein Früchtchen kosten. Sich nicht einschränken müssen, keine Verpflichtung eingehen, doch trotzdem nicht alleine sein. So schweigt man sich weiterhin an, bis man sich gegenseitig zu Langweilig wird und den Kreislauf wieder von vorne beginnt, halt nur mit einem neuen „Match“.

Sind wir einfach zu sehr mit uns selber beschäftigt um uns überhaupt auf jemanden richtig einlassen zu können oder haben wir nur Angst? Sind wir zu egoistisch und zu sehr in unserer Isolationswelt gefangen?

Man denkt zwischendurch wieder einmal: „das passt jetzt aber, da stimmt einfach alles!“ doch dabei vergisst man, dies vielleicht auch zu kommunizieren. Fehlende oder unzureichende Kommunikation ist meiner Meinung nach sowieso eines der Grundprobleme die zu diesem Friends-With-Benefits-Phänomen führen. Obwohl man sich gegenseitig physisch immer wieder nackt gegenübersteht, ist es für die meisten doch schwieriger, sich emotional auszuziehen und zu sagen was man will und was man braucht. Man sagt nur das, wovon man das Gefühl hat, das es das Gegenüber hören will und nicht, was man sagen möchte. Dies führt dazu, dass beide zwar dasselbe sagen, beide aber etwas anderes wollen. Ebenfalls häufig gehört habe ich, dass widersprüchliche Signale gesendete werden. Zum Beispiel wird jedes Mal wenn man sich sieht aufs heftigste geflirtet und geknutscht etc., aber auf ein simples SMS mit der Frage nach dem Befinden wird schlichtweg nie geantwortet. Ein Spiel namens „Heiss-Kalt“, das nur zu Frustration und Verwirrung führt. Niemand weiss mehr was er will.

Unabhängig sein, seine Möglichkeiten ausschöpfen, keine Kompromisse eingehen, keine Rücksicht nehmen müssen und trotzdem nicht alleine einschlafen müssen. Keine Erwartungen erfüllen müssen, doch Erwartungen stellen. Arschloch sein, aber als solches akzeptiert werden.

Ein ewiges sich im Kreis drehen um Gedanken und Erwartungs-Erwartungen, finden und gefunden werden, triviale Romantik versus rationales Denken, Einsamkeit und Zweisamkeit. Gefangen in der Isolation seines eigenen Denkens ohne sie zu durchbrechen und so verabschiedet man sich wieder voneinander und trauert einer verpassten Chance nach bis zum nächsten Mal…

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