In letzter Zeit habe ich das Gefühl, immer wieder dieselbe
Unterhaltung zu hören. Sei es im Zug im Abteil nebenan oder in der Diskussion
mit Freunden, alle, egal ob Männlein oder Weiblein, scheinen ein ähnliches
Problem zu haben. Man lernt jemanden kennen, unternimmt zwischendurch etwas
zusammen und am Ende klappt’s dann trotzdem nicht aber niemand weiss was schief
gelaufen ist.
Vielleicht liegt das Problem schon beim Kennenlernen selbst.
Aus Songs, Filmen und Serien hat man die Vorstellung, dass man einfach in
jemanden reinläuft, sich die Blicke treffen und ein Feuerwerk explodiert, dies
entspricht jedoch sehr selten der Realität. Sich begegnen und kennenlernen kann
man sich ja eigentlich überall, ich beschränke mich jedoch auf die zwei am
meisten erwähnten Situationen.
Man ist mit seinen Freunden unterwegs und sieht von weitem
jemanden der gefällt – üüü läck dä isch no guet… - und weil man den Mut nicht
hat ihn direkt anzusprechen, bestellt man doch dann lieber noch ein Bierchen für die Nerven.
Irgendwann denkt man sich dann: „so itz aber!“, geht hin und fängt mit einer
belanglosen Floskel ein Gespräch an. Man ist sich sympathisch und tauscht vielleicht
die Telefonnummern aus – ja wenns gut läuft sogar etwas Speichel beim
verabschieden – und schreibt sich dann während ein, zwei Wochen den Daumen
lahm. Es ist neu und spannend doch nach einiger Zeit gehen einem die Themen
aus. Hm worüber könnte man noch schreiben, wenn der Smalltalk langsam zu
langweilig wird. Und für ein Treffen waren immer noch beide zu beschäftigt –
oder zu ängstlich? Man trifft sich dann endlich doch noch – am liebsten an
einem öffentlichen Ort, denn ein Spaziergang im Wald könnte ja in einem
Kettensägen-Massaker enden - und weil man dann doch ganz aufgeregt ist,
brabbelt man während des ganzen „Dates“ nur belanglosen Stuss. Vielleicht
folgen noch einige Dates, doch früher oder später landet man in der
Horizontalen und vernuschet das Bett regelmässig zusammen.
Das wäre die etwas langsamere Vorgehensweise. Häufiger erwähnt
wurde aber die Situation, dass man mit seinen Freunden unterwegs ist, und sich
den Mut mit diversen Bieren und je nach dem noch einigen Shots antrinkt, das
Gegenüber genauso blau ist wie Papa Schlumpf und man sich nach einem
fünfminütigen Gelalle, bei dem sich beide wegen der zu lauten Musik sowieso
nicht verstehen, schon heftigst die Zunge in den Hals steckt. Nach der letzten
Runde torkelt man eng umschlungen und sich betatschend aus dem Lokal raus und
es folgt die ultimativ abgedroschen Frage: „…ssuu mir - hicks - oder ssuu dir?“,
was keine gute Grundvoraussetzung für
eine romantische Beziehung sein kann, oder?
Am nächsten Morgen folgt dann ein peinliches Kleidersuchen
mit übelsten Kopfschmerzen. Die Anziehung ist im Besten Fall nach wie vor da
und man beginnt damit, sich regelmässig zu schreiben und zägg, auch hier landet
man regelmässig wieder zusammen in der Kiste.
Aber was nun? Wie lässt sich das definieren? Friends with
benefits? Oder ist da doch mehr? Mittel zum Zweck? So viele Fragen und so wenig
Antworten. Man getraut sich nicht, diese Fragen anzustellen, da wir ja eine
Generation der Beziehungsunfähigkeit sind – abgestempelt durch psychologische
Studien und Medienbeiträge -.
Man geht raus um jemanden zu finden, will sich jedoch nicht
einschränken und von jedem Baum ein Früchtchen kosten. Sich nicht einschränken
müssen, keine Verpflichtung eingehen, doch trotzdem nicht alleine sein. So
schweigt man sich weiterhin an, bis man sich gegenseitig zu Langweilig wird und
den Kreislauf wieder von vorne beginnt, halt nur mit einem neuen „Match“.
Sind wir einfach zu sehr mit uns selber beschäftigt um uns
überhaupt auf jemanden richtig einlassen zu können oder haben wir nur Angst?
Sind wir zu egoistisch und zu sehr in unserer Isolationswelt gefangen?
Man denkt zwischendurch wieder einmal: „das passt jetzt
aber, da stimmt einfach alles!“ doch dabei vergisst man, dies vielleicht auch
zu kommunizieren. Fehlende oder unzureichende Kommunikation ist meiner Meinung
nach sowieso eines der Grundprobleme die zu diesem Friends-With-Benefits-Phänomen
führen. Obwohl man sich gegenseitig physisch immer wieder nackt gegenübersteht,
ist es für die meisten doch schwieriger, sich emotional auszuziehen und zu
sagen was man will und was man braucht. Man sagt nur das, wovon man das Gefühl
hat, das es das Gegenüber hören will und nicht, was man sagen möchte. Dies
führt dazu, dass beide zwar dasselbe sagen, beide aber etwas anderes wollen.
Ebenfalls häufig gehört habe ich, dass widersprüchliche Signale gesendete
werden. Zum Beispiel wird jedes Mal wenn man sich sieht aufs heftigste
geflirtet und geknutscht etc., aber auf ein simples SMS mit der Frage nach dem
Befinden wird schlichtweg nie geantwortet. Ein Spiel namens „Heiss-Kalt“, das
nur zu Frustration und Verwirrung führt. Niemand weiss mehr was er will.
Unabhängig sein, seine Möglichkeiten ausschöpfen, keine
Kompromisse eingehen, keine Rücksicht nehmen müssen und trotzdem nicht alleine
einschlafen müssen. Keine Erwartungen erfüllen müssen, doch Erwartungen stellen.
Arschloch sein, aber als solches akzeptiert werden.
Ein ewiges sich im Kreis drehen um Gedanken und
Erwartungs-Erwartungen, finden und gefunden werden, triviale Romantik versus rationales
Denken, Einsamkeit und Zweisamkeit. Gefangen in der Isolation seines eigenen Denkens
ohne sie zu durchbrechen und so verabschiedet man sich wieder voneinander und
trauert einer verpassten Chance nach bis zum nächsten Mal…
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