Donnerstag, 13. Oktober 2016

Wohnungssuche du Arschloch!


Die meisten haben das bestimmt auch schon mal erlebt. Hey ich muss/will/sollte umziehen. Tage- ja sogar Wochenlang – scheisse in meinem Fall schon Monatelang – surft man beinahe tagtäglich auf allen bekannten Immobilienforen rum, auch auf Seiten der Immobilienmakler in der Gegend und blättert jede Woche einmal durch den Anzeiger. Man sieht viele Wohnungen und ist begeistert, leider nur solange man den Preis noch nicht entdeckt hat. Dann klickt man das Inserat weg und sucht weiter. Denn wenn man keinen Mitbewohner hat oder will, reicht das Geld nicht – vor allem bei Studenten jeder Art, die sich das Leben selber verdienen müssen – eine solche Wohnung auch nur anschauen zu gehen. Hui da ein Studio! Hmm 900 Franken, dann ist es sicher wenigstens etwas grösser als ein Zimmer. Ja genau so dachte ich. Doch dann betrat ich das Zimmer mit der Vermieterin. Ok ich gebe zu, das Studio befindet sich in der Thuner Altstadt und hat einen Blick auf die Aare was ja schon ganz nett ist, aber wo zum Teufel soll ich meine Kleider hin verfrachten, wenn knapp mein 160 cm Bett und ein kleiner Tisch Platz hat!?! Geschweige denn mein Geschirr? Okey ich für mich komme schon mit einem Teller, einem Glas und einer Tasse aus aber ich koche zu gerne um nur eine Pfanne zu besitzen, und diese dann auch noch unter dem Bett aufzubewahren.


Wie dem auch sei, viele, viel zu überteuerte Wohnungen – oder wie meine Mutter sagen würde „es Chrutzli“ – später, ging ich auf WG-Zimmer suche, konnte mich aber entweder mit den Leuten oder dem Zimmer nicht identifizieren (zu viele Ansprüche…), oder es war schon weg. Ein cooles Zimmer, super nette Jungs, doch wie ich es auch in meinem Kopf versuche einzurichten, so ist das Zimmer einfach zu klein; das Bett geht noch rein, aber wie ich meine Kleider verstauen soll konnte ich nicht sehen. Immer wieder hab ich meine Möbel angeschaut und versucht eine Lösung zu finden, denn die Wohnung und die Jungs waren wirklich klasse! Weitersuchen ist angesagt.


Vielleicht sollte ich hier noch anmerken, dass ich meine jetzige Wohnung – die ebenfalls überteuert ist und ich mir wegen dem Studium nicht mehr leisten kann – bereits gekündigt habe und langsam aber sicher in Zeitnot komme, da ich noch miteinberechne, dass ich meine Wohnung ja noch putzen und eventuell streichen muss. Ach ja packen wäre da ja auch noch. So viele Dinge und so wenig Zeit, und vor allen Dingen: keine Wohnung!

Mit dem metaphorischen Messer an der Kehle, aus Angst bald unter der Brücke schlaffen zu müssen, suche ich weiter. Ja mittlerweile bin ich bei den Wohnwagen angelangt, finde aber dann kein Platz um diesen in ÖV-Nähe aufzubauen ohne eine Busse zu riskieren. Bauwagen wäre cool, doch die Zeit fehlt einen umzubauen und auch hier wieder die Frage, wo stelle ich ihn hin. Auf dem Nachhauseweg schaue ich regelmässig, ob es bei den Brücken irgendwo vielleicht ein windstilles Plätzchen hat. Eine glänzende Idee hatte ich auch schon: auf der Arbeit haben wir einen Sanitätsraum und eine Dusche, an der Fachhochschule Nordwestschweiz gibt es tatsächlich einen Raum der Stille und Duschen hat es auch irgendwo, das wäre doch eigentlich optimal und ich würde eine Menge Geld sparen.


Mittlerweile weiss wohl halb Thun von meiner Suche nach einer Wohnung, denn ich bin der Hoffnung, dass je mehr Leute es wissen, desto eher kommt auf einmal die rettende Wohnung. Durch mein ewiges jammern wegen der Wohnung, habe ich von einigen Freunden dankbarerweise schon Notlösungsangebote und -vorschläge erhalten, was das Messer einige Zentimeter weiter von meiner Kehle fern hält. In solchen Momenten bin ich echt dankbar, dass ich die absolut besten Freunde habe, die man sich vorstellen kann.

Ständig frage ich mich nun, wieso denn diese Wohnungen so dermassen teuer sind, denn ich kenne nicht viele Grossverdiener und die die ich kenne, nehmen dann lieber gleich eine grössere Wohnung – man kann es sich ja immerhin auch leisten und hat es sich verdient -. Der Referenzzinssatz ist so tief wie noch nie, doch die Mieten scheinen so hoch wie noch nie. Bilde ich mir das nur ein? Ja klar, alles sonst wird teurer und die Vermieter müssen ja ihre Brötchen auch verdienen, doch das müssen die Mieter ja auch und dank den Mieten gibt’s dann eine Woche lang altes Brot, oder man sucht die Küchenschränkchen nach Teigwaren ab. Alle preisen sie ihre neu renovierten Superwohnungen an, aber hei wie wär’s mal mit einer nicht renovierten, bezahlbaren Wohnung? Mir wäre sogar Scheissegal, wenn ich selber Heizen müsste, solange ich mich noch etwas bewegen kann in meinen vier Wänden. Da hat man ja in einer Gefängniszelle beinahe noch mehr Platz, und ratet Mal, da müsste ich nichts zahlen, das würdet Ihr dann übernehmen. Sorry für diesen schlechten Vergleich aber es ärgert mich schaurig und ich denke, dass ich mit dieser Erfahrung nicht alleine dastehe!


Etwas positives hat das ganze natürlich: erstens ist meine Kreativität betreffend der Thematik wo ich alles wohnen könnte auf dem Höhepunkt – apropos Höhepunkt, Baumhäuser scheinen auch sehr beliebt zu sein – und zweitens merke ich wieder einmal, wie schön es ist, Freunde zu haben, die dich mit witzigen Lösungsvorschlägen und tatsächlichen Hilfeangeboten unterstützen. Danke dafür!

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